München/Göttingen/Wuppertal, 28. Februar 2025 (geno) In der kurzen Geschichte der jüdischen Genossenschaftsbanken in Deutschland spiegelt sich augenfällig das Los der jüdischen Minderheit während der dreißiger Jahre. In ihrer Mehrheit erst 1933 entstanden, konnten sie sich rasch etablieren, um bald explosionsartig anmutende Wachstumsraten zu erzielen. Das stellt der Wirtschaftshistoriker Albert Fischer in einer öffentlich kaum wahrgenommenen Publikation des Instituts für Zeitgeschichte München unter dem Titel „Verfolgung, Selbsthilfe,Liqudation“ fest.
„Eben weil die jüdischen Gewerbetreibenden bei ihren bisherigen Hausbanken auf zunehmende Schwierigkeiten stießen, sahen sie sich gezwungen, sich den jungen Genossenschaftbanken zuzuwenden respektive solche zu gründen. Diese Banken symbolisieren andererseits einen bemerkenswerten Akt jüdischer Selbsthilfe. Denn die jüdischen Korporationen entstanden, mit Ausnahme Berlins, nicht von ungefähr gerade in solchen Städten, in denen keine namhaften jüdischen Privatbankiers domizilierten. Genau dort bedurten die jüdischen Bankkunden einer Alternative zur ‚arischen‘ Bankenwelt. Die Genossenschaften boten sie.“
Auch das Ende der Genossenschaften verlief in nachgerade typischer Manier, so Fischer. „Die jüdischen Genossenschaften fanden sich unter dem doppelten Druck eines sich prononciert antijüdisch gebärdenden ‚deutschen‘ Genossenschaftswesens und eines Reichswirtschaftsministeriums.“ 1938 wurden sie in die Liquidation genötigt. ++ (gb/mgn/28.02.25 – 034)
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